Der Effekt ist bekannt und wird trotzdem systematisch unterschätzt – weil er die ersten Jahre fast nichts tut.
Die Kurzfassung: Wer 10.000 Euro zu 7 Prozent anlegt, hat nach einem Jahr 700 Euro Ertrag. Nach zwanzig Jahren sind es nicht 20 × 700 = 14.000 Euro, sondern rund 28.700 Euro. Der Unterschied entsteht dadurch, dass die Erträge selbst wieder Erträge erwirtschaften. Das ist der ganze Trick – und der Grund, warum die wichtigste Stellschraube nicht die Rendite ist, sondern die Zeit.
Die gestrichelte Linie ist das, was du einzahlst. Die durchgezogene ist, was daraus wird. Der Abstand dazwischen ist der Zinseszins.
Am Ergebnis drehen genau drei Größen: Einsatz, Rendite und Zeit. Sie wirken aber sehr unterschiedlich stark.
| Ausgangslage | Änderung | Ergebnis nach 30 Jahren |
|---|---|---|
| 10.000 €, 7 %, 30 Jahre | – | rund 76.100 € |
| Einsatz verdoppelt | 20.000 € statt 10.000 € | rund 152.200 € (×2) |
| Rendite +2 Punkte | 9 % statt 7 % | rund 132.700 € (×1,7) |
| Zeit +10 Jahre | 40 statt 30 Jahre | rund 149.700 € (×2,0) |
Zehn Jahre früher anzufangen wirkt hier ungefähr so stark, wie den Einsatz zu verdoppeln – und stärker, als zwei Renditepunkte mehr zu erwirtschaften. Das ist die praktisch wichtigste Erkenntnis, weil die Zeit die einzige der drei Größen ist, die man nicht kaufen kann.
Der Zinseszins wirkt auf dein Vermögen, die Inflation auf deine Kaufkraft – beide exponentiell, in entgegengesetzte Richtung. Die reale Rendite ist nicht einfach „Rendite minus Inflation", sondern etwas weniger:
real = (1 + Rendite) ÷ (1 + Inflation) − 1
Bei 7 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation sind das nicht 5,0, sondern 4,9 Prozent. Der Unterschied klingt winzig und ist es über ein Jahr auch. Über dreißig Jahre trennt er im Rechner oben zwei deutlich verschiedene Zahlen. Deshalb steht dort beides.
Wie lange dauert die Verdopplung? Teile 72 durch die Rendite in Prozent:
Die Regel ist eine Näherung und wird oberhalb von etwa 15 Prozent zunehmend ungenau. Für die Abschätzung im Kopf reicht sie.
Erträge, die du nicht entnimmst, erwirtschaften im nächsten Jahr selbst wieder Erträge. Dadurch wächst das Vermögen nicht gleichmäßig, sondern immer schneller. In den ersten Jahren ist der Unterschied zu einem einfachen Sparkonto klein — er wird erst nach etwa zehn bis fünfzehn Jahren deutlich sichtbar.
Als Faustregel dient die 72er-Regel: Teile 72 durch die jährliche Rendite in Prozent. Bei 6 Prozent dauert die Verdopplung also rund zwölf Jahre, bei 8 Prozent rund neun Jahre. Die Regel ist eine Näherung und wird bei sehr hohen Renditen ungenau.
Seriöse Planung rechnet mit einer Spanne, nicht mit einer Zahl. Breit gestreute Aktienmärkte haben über sehr lange Zeiträume im Mittel im hohen einstelligen Prozentbereich zugelegt — mit einzelnen Jahrzehnten deutlich darunter. Wer mit zweistelligen Werten plant, plant mit dem besten Fall.
Der Zinseszins wirkt auf das Vermögen, die Inflation auf die Kaufkraft — beide exponentiell, in entgegengesetzte Richtung. Bei 7 Prozent Rendite und 2 Prozent Inflation bleiben real etwa 4,9 Prozent. Über dreißig Jahre ist der Unterschied zwischen nominaler und realer Rechnung größer als das eingezahlte Kapital.
Was daraus für dich folgt, hängt von deiner Ausgangslage ab: wie viel Zeit du hast, wie viel du einsetzen willst und wie viel Schwankung du aushältst. Ein paar Fragen genügen.
Herausfinden, was passt