Grundlagen

Risiko verstehen: was ein Minus von 30 Prozent wirklich bedeutet

Nicht die Rendite entscheidet, ob eine Strategie zu dir passt, sondern der Rückschlag, den du dabei aushalten musst.

Zuletzt aktualisiert: 23.08.2026 · Lesezeit rund 7 Minuten

Die Kurzfassung: Verluste und Gewinne sind nicht symmetrisch. Wer die Hälfte verliert, braucht eine Verdopplung, um wieder bei null zu sein – nicht 50 Prozent. Diese Asymmetrie ist der Grund, warum Risikobegrenzung mehr zum Ergebnis beiträgt als Renditejagd.

Die Gegenrechnung, die überrascht

Der Grund ist simpel: Der Gewinn setzt auf einer kleineren Basis an. Aus 10.000 Euro werden nach minus 50 Prozent 5.000 Euro – und 50 Prozent von 5.000 sind nur 2.500.

Bis etwa 20 Prozent Verlust bleibt der nötige Ausgleich überschaubar. Danach wird die Kurve steil – das ist die Zone, in der Depots nicht mehr zurückkommen.
Verlustnötiger Gewinn zum AusgleichAus 10.000 € werden
−10 %+11,1 %9.000 €
−20 %+25,0 %8.000 €
−30 %+42,9 %7.000 €
−50 %+100,0 %5.000 €
−75 %+300,0 %2.500 €
−90 %+900,0 %1.000 €
Die Formel nötiger Gewinn = Verlust ÷ (1 − Verlust). Bei 30 Prozent Verlust also 0,30 ÷ 0,70 = 0,429, das sind 42,9 Prozent. Wer das einmal im Kopf hat, bewertet jedes Angebot mit „hohen Renditechancen" anders.

Rechne deinen Fall durch

10.000 €
30 %

Nicht die Tiefe bricht Menschen, sondern die Dauer

In der Rückschau wirkt ein Rückgang wie ein Knick in der Kurve. Im Erleben ist er etwas anderes: eine Zeit, in der jeder Blick ins Depot schlechte Nachrichten bringt und in der niemand sagen kann, wie lange es noch dauert.

Ein typischer Verlauf: Der Höchststand wird erst nach einer langen Talsohle wieder erreicht. Die schraffierte Fläche ist die Zeit, in der du unter Wasser bist – nicht die schlimmste Zahl, aber die härteste Erfahrung.

Deshalb ist die praktisch wichtigste Frage nicht „welche Rendite will ich?", sondern: Welchen Rückgang halte ich aus, ohne auszusteigen? Wer eine Strategie wählt, die zeitweise 25 Prozent im Minus liegt, und bei 15 Prozent die Nerven verliert, realisiert genau den Verlust und verpasst die Erholung. Die Strategie war nicht schlecht – sie passte nicht.

Positionsgröße: die Rechnung, die selten gemacht wird

Eine verbreitete Regel begrenzt den Verlust je Einzelposition auf ein bis zwei Prozent des Gesamtkapitals. Daraus folgt die Stückzahl – nicht umgekehrt:

  1. Gesamtkapital: 20.000 Euro. Maximaler Verlust je Position: 1 Prozent = 200 Euro.
  2. Kaufkurs 50 Euro, geplanter Ausstieg 45 Euro. Risiko je Stück: 5 Euro.
  3. Stückzahl: 200 ÷ 5 = 40 Stück, also 2.000 Euro Einsatz.

Der entscheidende Punkt steckt in der Reihenfolge: Erst steht fest, wo du aussteigst, dann ergibt sich, wie viel du kaufst. Wer zuerst die Stückzahl wählt und danach nach einem Ausstiegspunkt sucht, betreibt kein Risikomanagement, sondern Hoffnung.

Was Hebel damit macht Hebelprodukte verschieben diese Rechnung erheblich: Bei fünffachem Hebel entspricht eine Kursbewegung von 20 Prozent dem Totalverlust des Einsatzes. Das ist kein Argument gegen Hebel – aber eines dafür, die Positionsgröße zuerst zu rechnen und nicht zuletzt.

Wie hältst du es aus? Ein kurzes Szenario

Ehrlich zu beantworten, auch wenn keine Antwort falsch ist. Wie du in dieser Lage handelst, sagt mehr darüber, was zu dir passt, als jede Selbsteinschätzung.

Die Lage Du hast 10.000 Euro angelegt. Nach vier Monaten stehen 8.200 Euro im Depot – ein Minus von 18 Prozent. In den Nachrichten heißt es, es könne noch weiter runtergehen.

Häufige Fragen

Wie viel Gewinn braucht man, um einen Verlust auszugleichen?

Mehr als der Verlust betrug, weil der Gewinn auf einer kleineren Basis ansetzt. Nach minus 20 Prozent braucht es plus 25 Prozent, nach minus 33 Prozent plus 50 Prozent, nach minus 50 Prozent plus 100 Prozent. Die Formel lautet: Gewinn = Verlust ÷ (1 − Verlust).

Was ist ein Drawdown?

Der Rückgang vom letzten Höchststand bis zum tiefsten Punkt danach, in Prozent. Entscheidend sind zwei Größen: wie tief es geht und wie lange es dauert, bis der alte Stand wieder erreicht ist. Die Dauer wird meist unterschätzt und ist der Grund, warum Menschen aufgeben.

Wie groß darf eine einzelne Position sein?

Eine verbreitete Regel begrenzt den Verlust je Position auf ein bis zwei Prozent des Gesamtkapitals. Aus dem geplanten Ausstiegskurs und dieser Grenze ergibt sich die Stückzahl — nicht umgekehrt. Wer zuerst die Stückzahl wählt und dann den Ausstieg sucht, hat kein Risikomanagement.

Warum verlieren viele trotz guter Strategie Geld?

Weil die Strategie einen Rückschlag aushält, der Mensch dahinter aber nicht. Wer eine Strategie mit 25 Prozent möglichem Rückgang wählt und bei 15 Prozent aussteigt, realisiert den Verlust und verpasst die Erholung. Die tragfähige Frage ist nicht, welche Rendite man will, sondern welchen Rückgang man aushält.

Was davon passt zu dir?

Wie viel Schwankung du aushältst, wie viel Zeit du hast und was du erreichen willst — daraus ergibt sich, welches Werkzeug sinnvoll ist. Und welches nicht.

Herausfinden, was passt

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